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Fluconazol und Hautarzt? Ich bin verzweifelt.

Kategorie: Scheidenpilz.com » Expertenrat Scheidenpilz | Expertenfrage

06.10.2023 | 07:50 Uhr

Hallo,

wie so viele andere hier bin ich momentan sehr verzweifelt. Seit insgesamt sieben Jahren leide ich unter wiederkehrendem Scheidenpilz, der mich so manches Mal in den Wahnsinn getrieben hat, den ich aber mit der Zeit und Erfahrung in den Griff bekommen habe. In den letzten Monaten zeigte sich bei Infektionen auch zunehmend meine Vulva betroffen, sodass ich tageweise kaum vor die Tür gehen konnte vor Juckreiz, Brennen und Schmerz.

Nun habe ich seit ziemlich genau einem Monat Beschwerden. Behandelt habe ich zunächst in Eigenregie wie immer mit Clotrimazol 3 Tages Kombi. Als es nicht besser wurde, habe ich 3 weitere Tage behandelt. Da die Beschwerden blieben und ich zunehmend Probleme habe, zu laufen oder Unterwäsche zu tragen, die die übermäßig empfindliche Vulva verträgt, bin ich zu meiner Gyn als Notfalltermin. Diese reagierte verärgert, sie könne sich nicht jeden Pilz angucken und könne nichts machen. Sie hat sich einen Abstrich unterm Mikroskop angesehen und mir einen Pilz bestätigt. Im Anschluss hat sie mir einen Wirkstoffwechsel von Clotrimazol auf Nystatin empfohlen. Daraufhin habe ich sechs Tage am Stück mit Biofanal Kombi behandelt. Ich hatte zwar das Gefühl einer leichten Verbesserung, aber hatte weiterhin bröckeligen Ausfluss und eine berührungsempfindliche und gereizte Vulva. Also bin ich nochmal zur Gyn und da ich mich zuvor im Internet über weitere Behandlungsmöglichkeiten informiert hatte, habe ich sie gezielt auf ein systemisches Mittel angesprochen. Das wollte sie mir zunächst nicht verschreiben, da es ein "Hammer" sei. Nach weiterem Insistieren meinerseits, dass die Beschwerden durch die lokalen Mittel weiter da sind, hat sie mir einmal 150mg Fluconazol verschrieben. Ich hatte nach der Einnahme auch kurzzeitig das Gefühl, dass es insgesamt besser wird. Aber wenige Tage nach der Einnahme stellten sich die Symtome wieder ein. Ein erneuter Versuch, dahingehende Unterstützung von meiner Gyn zu bekommen scheiterte, da die Ärztin krank war und mir am Telefon gesagt wurde, ich solle langsam mal zum Hautarzt damit, das gehe ja so nicht mehr, vorallem nachdem ich so ein starkes Medikament bekommen habe. Die gyn. Praxis hat jetzt für zwei Wochen Urlaub und auch mein Hautarzt ist im Urlaub. In meiner Verzweiflung behandle ich jetzt wieder mit Clotrimazol, habe aber das Gefühl, dass der Juckreiz und die Rötung an der Vulva wieder mehr wird und bin total verzweifelt, was ich jetzt tun soll. Können Sie mir sagen, was in meinem Fall der angemessene Behandlungsweg sein könnte? Ich fühle mich gerade total damit mir selbst überlassen und habe Sorge, was das für Auswirkungen auf meinen Körper haben könnte, wenn der Pilz sich immer weiter ausbreiten kann. 

Über eine Rückmeldung freue ich mich und danke vorab fürs Lesen! 
Liebe Grüße 

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Bisherige Antworten
Lifeline Gesundheitsteam
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23.10.2023, 08:05 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo MTD

verzeihen Sie bitte unsere so verspätete Antwort.
Das Hauptsymptom eines Scheidenpilzes ist vor allem der unerträgliche Juckreiz. Die Diagnose wird gestellt, wenn die Klinik dazu passt und wenn ein Pilz unter dem Mikroskop nachgewiesen werden kann. Beides scheint bei Ihnen ja vorzuliegen. Die Behandlung besteht dann in der Anwendung aus Antimykotika, ob als Salbe oder Tabletten ist beides möglich, keine Methode hat einen unmittelbaren Vorteil.
Schlägt diese Initialbehandlung nicht an, der Juckreiz besteht also weiterhin, so ist es nach Leitlinie schon sinnvoll, eine Kultur anzulegen, um Resistenzen zu überprüfen (die eigentlich kaum vorkommen) oder die Pilzart zu bestimmen, um die Behandlung zu optimieren.
Bei Ihnen scheint es ja aber ein chronisches Problem zu sein, ob der Definition gemäß, können wir natürlich nicht genau bestimmen, da wir die genauen Befunde nicht kennen. Bei einer chronischen Infektion ist es aber tatsächlich so, dass die Behandlung über ein halbes Jahr erfolgen soll, auch wenn keine Symptome mehr vorliegen. Auch hier ist es per se nicht relevant, ob es sich um eine lokale oder eine Tabletten-behandlung handelt. Insofern könnte es schon sinnvoll sein, dass Sie mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt eine längere Behandlung besprechen.
Gleichzeitig kommen ja bei Ihnen auch Schmerzen, die kein Juckreiz sind, hinzu. Dabei handelt es sich - anders als oft behauptet -  in der Regel nicht um Symptome eines Scheidenpilzes, sondern um eine Vulvodynie, also ein "Vulvaschmerzsyndrom". Die Behandlung hiervon ist deutlich komplizierter und umfasst mehrere Fachrichtungen. Hier geht es nicht um Folgen eine Infektion, sondern um ein multifaktorielles Geschehen, also eine Folge mehrerer Ursachen. Unter anderem psychische Ursachen, genau genommen Stress (der ja wieder durch den Scheidenpilz und auch durch die Schmerzen ausgelöst werden kann), spielen hier eine wichtige Rolle. Die Behandlung ist also kompliziert. Nichtsdestotrotz sollten Sie mit Ihrer behandelnden Ärztin darüber sprechen.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen trotz der Verspätunt weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam